Das “Hip Hop Kemp”-Festival in Tschechien

HipHop © burak çakmak - Fotolia.com

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Von Hip Hop Heads für Hip Hop Heads, das war der ursprüngliche Gedanke, der vor einigen Jahren den Grundstein für das Hip Hop Kemp Festival. Die Idee dahinter war es, alle Elemente des Hip Hop in einem Event zusammen zu bringen und seitdem im August 2002 das erste Festival dieser Art stattfand, das damals etwa 3 500 Besucher auf sein Gelände lockte, hat man das Konzept rund um Veranstaltung und Programm immer wieder erweitert. 

Seither findet das Hip Hop Kemp in jedem Sommer Tschechiens statt und schon drei Jahre nachdem es ins Leben gerufen wurde, konnte man 2005 auf ein größeres Festivalgelände umziehen. Damit einher ging auch eine immer weiter wachsende Zahl an Side Events, die maßgeblich dazu beitrugen, das Festival zu einem wahren Sammelbecken der Hip Hop-Kultur zu machen.

So versammelten sich hier in den letzten Jahren nicht nur eine Menge talentierter MCs, sondern auch eine bunte Mischung aus Künstlern, Tänzern, Skatern und Sportlern, die das kreative Potenzial des Hip Hop Kemp nur so sprudeln lassen. 

Das Hip Hop-Festival lässt sich natürlich auch vortrefflich mit einer Übernachtung in Prag verbinden. Die Auftritte der teilweise bereits international bekannten MCs und Gruppen, findet immer in der Nähe zur polnischen und deutschen Grenze statt. Nicht ganz unbedacht, wurden die Freiflächen am Ufer des Silbersees ausgewählt, um zu einem der größten Hip Hop-Festivals in ganz Europa zu werden. Während die ersten beiden Events noch in Pardubice stattfanden, wurde das Festival in den folgenden Jahren nach Hradec Králové verlegt, wobei immer mehr Besucher dem musikalischen Ruf folgten. Die Zahl derer, die sich der Atmosphäre aus Musik und Kreativität hingeben wollten, wuchs dabei stetigt und so konnte man im vergangenen Jahr Rekordzahlen von etwa 25 000 Besuchern verzeichnen. 

 

2011: Das Jahr des Casper

Turntable  Stefan Thiermayer - Fotolia.com

Turntable Stefan Thiermayer - Fotolia.com

Im Jahr 2011 scheint für ihn alles wie am Schnürchen gelaufen sein. Benjamin Griffey aka Casper ist in den Chart angekommen, das angesehene Label Four Music, damals von den Fantastischcen Vier gegründet, hat ihn unter Vertrag genommen. Angefangen hat die musikalische Karriere des Emorappers aber schon viel früher, und gradlinig war der Weg nicht.

Der Bielefelder, der einen Teil seiner Kindheit in den USA verbracht hat und mit elf Jahren in das für ihn erstmal fremdsprachige Deutschland zurückgekehrt ist, hat in früher Jugend schon den Kontakt zur Szene gesucht und sich an Freestyles erprobt. Das geschieht allerdings vorerst unbeachtet von der Öffentlichkeit, das ändert sich erst, als er zusammen mit dem Rapper Abroo und dem nicht ganz unbekannten Seperate eine Crew mit dem Namen Kinder des Zorns gründet. Das Album Rap Art War wird gehypt und die Crew deutschlandweit bekannt, was aber nicht verhindern kann, dass sie sich im Jahr 2004 voneinander trennen.

Casper macht alleine weiter, inzwischen hat er sich mit dem Berliner Rapper Prinz Pi angefreundet und macht mit ihm gemeinsam Kollaborationen und Tourneen. Trotzdem führen ihn seine Wege vorerst in ein ganz anderes Gebiet, er wagt einen musikalischen Ausflug in das Metal-Genre und gründet die Band A Fear called Treason. Diese Episode soll aber nur ein Ausflug bleiben, im Jahr 2006 veröffentlicht er ein Mixtape mit dem Titel Die Welt hört mich und beschließt damals seine Karriere als deutschsprachiger Rapper.

Inzischen ist er oben in den Charts angelangt, spielt auf großen Bühnen, sein Album XoXo ist in aller Munde und eurde zum besten Album des Jahres 2011 gekrönt. Sein Stil ist einzigartig, er vermischt klassischen Rap mit Gitarrenriffs und düsteren Texten, sein Auftreten erinenrt eher an einen metrosexuellen Indieboy als an einen harten Gangster, sein eigentliches Markenzeichen aber ist seine unverwechselbare Stimme. Und die wird auch im Jahr 2012 des öfteren noch zu hören sein.

Der Siegeszug von Noel Gallagher

Konzert © Li-Bro - Fotolia.com

Konzert © Li-Bro - Fotolia.com

Die Trennung der englischen Kultband Oasis kam für viele Fans dem Weltuntergang gleich. Die Brüder Noel und Liam Gallagher stritten und trennten sich am Ende. Doch es gibt eben auch eine Zeit nach dem vermeintlich gefühlten Weltuntergang – besonders dann, wenn man längst in neuen Zeiten steckt und neue Projekte vorantreibt. Noel macht das jetzt und gab vor kurzem ein Konzert in Köln.

Er war Gitarrist von Oasis und außerdem auch noch Songwriter. Wer kennt ihn nicht? Hierbei ist nicht Noel Gallagher gemeint, sondern das Lied, von dem immer noch viele schwärmen wenn sie Herzschmerz oder mitten im Freudentaummel der Liebe stecken: “You’re my Wonderwall” und das Summen geht weiter. Das Lied “Wonderwall dürfte sowieso das Lied sein, wodurch die Band der beiden Brüder Oasis Heldenstatus erlangt hat. Weitere Hits sollten folgen und so war die Trennung vor einiger Zeit ein schwerer Schock für die Musikwelt.

Und auch in Köln merkte man am vergangenen Sonntag, dass sich die Fans von der bezaubernden Oasis-Welt noch nicht so richtig trennen konnten. Etwas 4000 Zuschauer waren gekommen, um nun dem Soloprojekt Noel zu frönen. Er trat allerdings zwar ohne Liam, dafür allerdings mit alten Songs auf. Und erst als er eben jenes “Wonderwall” anstimmte, merkte man, dass er jetzt die Fans erreicht.

Sieben Wochen gibt es das neue Album von Noel schon. Ein weiterer Grund, wieso das Publikum anfänglich nur sehr verhalten mitmacht – später klappt es dann besser. Und dennoch hat Noel überzeugt. Der sonst immer am Rande aufgetretende Noel ist ganz anders als sein Bruder Liam, der mit den anderen Bandmitgliedern von Oasis in der Band “Beady Eye” schon längst Erfolge verbuchte. Noel stand oft an der Seite, Liam war da für die Posen. Dass das fehlt, merkt man. Doch Oasis ist seit zwei Jahren längst Vergangenheit, doch die Erde dreht sich weiter.

Senktrechstarterin Lana Del Rey

Wer derzeit Radio und Musik-Charts hört kommt an Lana Del Rey nicht vorbei. Die 25-Jährige Newcomerin und Senkrechtstarterin aus New York stürmt mit ihrer ersten Single “Video Games” erst YouTube und jetzt die Charts. Auch ihr zweiter Song “Blue Jeans” aus dem Debütalbum “Born to Die”, das Anfang 2012 auf den Markt kommt, wurde schon mehr als 2 Millionen Mal gesehen. Alles scheint auf eine erfolgreiche Karriere hinauszulaufen.

Die in Lake Placid aufgewachsene Sängerin und Songwriterin hört im wahren Leben auf den Namen Elizabeth Grant und hat jüngst auch das deutsche Publikum mit ihren Auftritten in Köln und Berlin begeistert. Vor allem ihre Stimme zieht dier Leute in ihren Bann: mit einer Mischung aus Amy Winehouse und Britney Spears wechselt ihre Stimme und Musik zwischen melancholisch und fröhlich, zwischen ruhig und tanzbar. Dazu macht sie auch optisch ein tolle Figur: jung, sexy, perfekt gestylt, zugleich elagant weiblich und lässig aufreizend. Faszinierend sind auch ihre Videos, die von ihr selbst produziert wurden. David Lynch trifft Brian DePalma, Schwarz-Weiß trifft Bunt, Amateur- trifft Profifilm.

Lana Del Rey möchte den Pop wiederbeleben und das mit dem Tod, den sie in ihrer Musik zum Leben erweckt. Ihr Leitspruch “I´m going to die” ist nur schwer zu interpretieren. Ihre musikalische Welt dreht sich anders herum. Sie möchte nicht provozieren, sie möchte nur singen, ihre Gefühl, ihre Wahrnehmung, ihr Leben musikalisch darstellen, ohne an jegliche Konsequenz zu denken.

Trotz Bedenkens, das alles könnte sich um eine perfekt inszenierte Show und Selbstdarstellung handeln, die nur darauf abzielt, möglichst berühmt und erfolgreich zu werden, bleibt ihre Musik und ihre Art, die Musik zu interpretieren einfach nur wahnsinnig gut. Bleibt nur zu hoffen, dass ihr die Schicksale von Britnes Spears und Amy Winehouse erspart bleiben!

Matthew Herbert und sein “One Pig”-Album

Quelle: Flickr/*ea*

Quelle: Flickr/*ea*

Das Leben eines Schlachtschweins, vertont als musikalisches Werk, so präsentiert Matthew Herbert sein neues Album “One Pig”. Damit sorgte er nicht nur für etwas musikalisch bisher einzigartiges, sondern rief schon bereits vor Erscheinen der neuen Platte, für eine Menge Aufruhr. Es wurde Protest laut und Gruppen forderten sogar, die Produktion der Platte einzustellen.

Unsere seltsame Beziehungen zum Schwein als Tier, von dem der Mensch einerseits enorm abhängig ist und dass ihm andererseits wiederum als Symbol für zahlreiche wüste Beleidigungen dient, hat nun also eine musikalische Untermalung bekommen. Musiker und Produzent Matthew Herbert hat deshalb die Gunst der Stunde genutzt und während seiner Arbeit an einem neuen Album, den Schweinen auch einmal das Wort zu geben. Geräuschvoll dargestellt, wird hier das Leben eines englischen Hausschweins, beginnend bei der Geburt, über die Mast, bis hin zur Schlachtung. So darf man noch zu Beginn der Platte dem schweren Atmen der Sau während der Geburt ihrer Ferkel lauschen, die dann- ebenfalls lautstark- grunzen und fressen. Zuguterletzt ist das auch das Messerwetzen des Metzgers zu hören und es folgen die Klänge von Instrumenten, die aus den Überresten des einst lebendigen Tiers angefertigt wurden. So wurden aus der Haut Trommeln gebaut und die Knochen als Perkussionsinstrumente verwendet. Auch das Blut sollte noch Verwendung finden, um es, vor Kurzem noch in den Adern eines Schnweins pulsierend, wieder zum Leben zu erwecken. Instrumentenbauer Henry Dagg nahm sich das zur Aufgabe und konstruierte daraus eine Art Orgel mit riesigen Reagenzgläsern, durch die nicht nur Luft, sondern auch das Blut des Tiers strömt.

Nachdem “One Pig” vollendet und alle Klänge aus einem Tier herausgeholt, wurde das Schwein abschließend noch als Festschmaus zubereitet und verspeist, was den Schlusslaut des Albums bildet.

Das Drama um Michael Jackson

Zwei Jahre ist es her, seitdem Michael Jackson die letzten Vorbereitungen für seine Konzertreihe getroffen hat. Es nie dazu gekommen. Michael Jackson hat seine Tournee nie beginnen können, denn kurz bevor es hätte losgehen können, ist er an einer Überdosis Narkose- und Schlafmittel gestorben. Hierfür verantwortlich soll nun sein Leibarzt gemacht werden, der ihm über Wochen und gar Monate das Medikament verabreicht haben soll. So auch am besagten Abend des Todes.

Vor einigen Tagen hat der Prozess gegen den Leibarzt Dr. Conrad Murray begonnen. Dieser plädiert auf unschuldig, obwohl der Staatsanwalt David Walgren ‘grobe Fahrlässigkeit’ hinter der Tat sieht.

Dies ist einer der emotionalsten Gerichtsverhandlung, die jemals stattgefunden haben. Fans haben sich am ersten Tag der Verhandlung vor dem Gebäude versammelt. Noch bevor der Angeklagte zur Verhandlung auftaucht, sind die Demonstranten vor dem Gebäude in Rage und beschimpfen Murray als Mörder. Sie rufen nach Gerechtigkeit. Als Murray auftaucht, wird er von seiner Mutter begleitet. Mit dabei war die ganze Jackson-Familie. Während der Staatsanwalt Murray wegen grober Fahrlässigkeit drankriegen will, geht die Verteidigung in die Offensive. So spricht der Anwalt von Murray davon, dass Michael kein Opfer gewesen ist, sondern der Täter in dem Eklat. Er soll selbst, ohne Anwesenheit des Arztes das Medikament zu sich genommen haben, an dem er kurze Zeit später gestorben ist. Er behauptet auch, der Arzt hätte Michael von den Medikamenten wegbringen wollen.

Wie es aussieht, soll die Verhandlung mehrere Wochen dauern. Es wird schwer sein, die Wahrheit herauszufinden. Beide Seiten werden bis ins letzte Detail aufschlüsseln wollen, was passiert ist. Hat das Murray im großen Umfang das Narkosemittel Propofan bestellt und aus Geldgier die Wünsche von Michael Jackson befriedigt. Anscheinend hat Murray über 150.000 Dollar im Monat für seine Dienste erhalten. Die Verteidigung dementiert dies, denn Murray soll sehr gut mit Michael befreundet gewesen sein und wollte nichts anderes als nur das Beste für ihn.    

Jazz und Pop

Nils Petter Molvaer, Foto: olallalojo_flickr

Die amerikanische Band Beirut fasziniert seine Fans dadurch, klassische Musikkomponenten wie Trompete, Kontrabass und Tuba mit Rockinstrumenten, wie Bass, Schlagzeug und E-Gitarre zu unterlegen. Im Vordergrund mischt dann der Sänger auf und komplettiert durch sing-sang-artige Melodien das Ensemble. Dabei ist nicht nur Beirut damit erfolgreich, Elemente der Klassik oder der Volksmusik mit popartigen Rhythmen zu unterlegen. Auch der norwegische Trompeter Nils Petter Molvaer setzt schon lange vor dem Erfolg von Beirut auf dieses Modell. Er allerdings setzt auf das Konzept, Jazz und Pop miteinander zu verbinden. Und auch elektronische Rhythmen finden in seiner Musik einen Platz.

Dabei unterlegt er bei einigen seiner Lieder mit der Trompete damit, Basstöne einzubringen und so dann den Raum zu füllen. Hinzu kommen noch ein paar schleppende elektronische Beats, die dann von verzerrten Gitarrenakkorden getragen werden. Seine Lieder füllen so einen riesigen Kontrast, der dann vital klingt. In Norwegen, im einsamen Norden, ist Molvaer aufgewachsen. Schon früh ist er fasziniert und berührt davon zugleich, die Grenzen zwischen Jazz und Rock einzureißen. Nachdem er an der Musikhochschule in Trondheim studiert hat, brodelt es in ihm nur vor lauter Experimentallust und dem Drang, Stile zu brechen und Musikstile ineinander zu vermischen, so dass am Ende seine Musik herauskommt. Im Oktober 1997 wurde er dann mit dem Album „Khmer“ bekannt. Mit seiner Band faszinierte er das Publikum mit schlüssigen und mitreißenden Melodien, die allesamt von der Zerbrechlichkeit der Improvisation und der Wucht zeitgenössischer elektronischer Rhythmen geprägt sind, so dass man am Ende sogar dazu tanzen kann.

Danach versuchten sich viele andere Musiker an dem Stil, Stile zu brechen – wie eben auch Beirut. Und nun wirkt das Prinzip etwas abgenutzt und verbraucht. Was vor 14 Jahren bei Molvaer etwas Neues und Eigenartiges hatte, wirkt jetzt alt. Nun aber versucht er mit seiner neuen Platte „Baboon Moon“ darauf zu setzen, die Stile nicht zu brechen und ineinander zu mischen, sondern darauf, die Melodien zusammenspielen zu lassen, so dass sie zwar gleichwertig als Jazz und Pop identifiziert werden können, aber letztlich eben zusammen wirken. Mit minimaler Arbeit – nur drei Pole hat Molvaers neue Band – schafft er Spannung aufzubauen. Und so könnte es sein, dass Nils Petter Molvaer wieder einmal eine neue Richtung vorgibt – wie einst vor 14 Jahren.

Ironie in Klassik verpackt

Klassische Musik wirkte bisweilen beruhigend, manchmal fast einschläfernd. In der Instrumentalmusik ist das besonders oft der Fall, weil es keinen Inhalt bei den Stücken der nur aus Instrumenten bestehenden Musik gibt. Wobei es doch so schön passen würde, wenn sich der Inhalt als Kontrast zur Form bilden könne. Sicherlich haben viele Komponisten Zitate, Stile oder sonstiges eingebaut, aber letztlich hat kein Komponist den Mut gezeigt, das ein komplettes Musikstück in doppeldeutiger Hinsicht gesehen werden kann.

Poulenc, Foto: the harpsichordist_flickr

Das muss allerdings sofort korrigiert werden. Schließlich gab es einen populären Künstler, der dadurch berühmt wurde, weil er eben auf Kuriositäten und Unnormales setzte: Francis Poulenc. 1963 verstarb er in Paris. Der Franzose komponierte beispielsweise das Werk „Konzert für zwei Klaviere“ im Jahr 1932. Stimmen sagen, dass Poulencs Musik die wohl „ironisch durchtriebenste Musik, die je in klassischer Form geschrieben wurde“ war.

Im Wesentlichen hört sich seine Musik so an wie die von Beethoven. Wenn dann aber die Sprungtöne der Klaviere abwechselnd durch Geigen und Tuba akzentuiert werden, merkt man schnell, dass man es mit einem Komponisten der anderen Art zu tun hat. Danach Musik, die man sonst nur zur Kirmes-Zeit oder von Volksfesten kennt. Dadurch wird seine Musik von der Exzentrik getrieben und führt dazu, dass der Hörer in eine Art Rauschzustand verfrachtet wird.

Und so kommt dann auch die Ironie zum Tragen, die sich in seinen Musikstücken immer wieder durch die abwechselnden Assoziationen von Kirchenorgel, Kino und Musikautomat verdeutlichen. Damals, kurz vor seinem Tod, hat man Poulencs Werke fast jeden Tag im Radio gespielt. Dadurch dass er Stile vermischte wurde er beliebt und eben deswegen auch fast vergessen – weil es eben so ungewöhnlich war.

Zola Jesus

Zola Jesus, Foto: robert loerzel_flickr

Zola Jesus, Foto: robert loerzel_flickr

Sie wird als heißester neuer Star am Pop-Himmel gefeiert: Die 22-jährige US-Amerikanerin Nika Roza Danilova veröffentlicht unter ihrem Pseudonym „Zola Jesus“ bereits ihr drittes Album „Conatus“ beim angesehen Label Rough Trade. Mit tiefer, volumniöser Stimme singt sie von Begierde und Trauer, Verzweiflung und Sehnsucht. Wie eine Lawine rollen elektronische Beats, düstere Synthie-Flächen und ihr geheimnisvoller Gesang über den Hörer und ersticken ihn mit einer düsteren und doch irgendwie beschwingten Schwerfälligkeit – und wirklich heißt eines der Lieder auf ihrem neuen Album „Avalanche“, zu Deutsch eben Lawine.

Aufgewachsen ist die hübsche junge Frau im Norden der Vereinigten Staaten, genauer im Bundesstaat Wisconsin, der an Kanada angrenzt. Hier gibt es tiefe Wälder und wenige Menschen und wirklich wuchs Zola Jesus in einer Hütte im Wald auf, gemeinsam mit ihrem Vater, der Jäger ist. Es gab kein Internet, kein Telefon – nur ein altes Klavier, dass schließlich das musikalische Interesse der Heranwachsenden entfachte. Besonders gern vertrieb sie sich die einsame Zeit mit dem Singen von Opernarien. 

Schließlich schrieb sie sich für ein Studium der Philosophie ein – zu ihren Lieblingsdenkern gehören düstere Charaktere wie Nietzsche und Schopenhauer. Mithilfe billiger Musik-Software und gebrauchten Synthesizern begann Zola Jesus in dieser Zeit mit dem Aufnehmen und Produzieren ihrer eigenen Songs – trostlos und doch wunderschön, direkt und unverfälscht aus den tiefsten Abgründen einer zerrütteten, einsamen Seele. 

Auch für ihre dritte LP werden wieder düstere Themenkomplexe angegangen: Das Lied „Hikikomori“ handelt etwa von Japanern, die sich in ihrer eigenen Wohnung einschließen und alle sozialen Kontakte vermeiden. Andere Songs erzählen minutiös und doch poetisch, wie es sich anfühlt, von innen heraus zu zittern oder nicht gehen zu können, obwohl man weiß, dass man gehen muss. Ein echter Geheimtipp für Fans von „The XX“ oder „Florence & The Machine“.

Tori Amos

Tori Amos ist wieder da und mit ihr im Gepäck ihre neue Platte. Zwar hat sie dem Pop nicht gänzlich abgeschworen, aber sie hat eine andere Richtung, die ihr schon immer lieb war, mit in ihre Kompositionen eingebunden, und zwar die Klassik.

Tori Amos, Foto: camies._flickr

Bereits als kleines Mädchen hat sie Bach und Schopenhauer gemocht. Sie hat kürzlich in einem Interview mit einem deutschen Fernsehsender, erzählt, sie würde Deutschland sehr mögen, weil die Menschen hierzulande die Klassik lebendig halten würden. Man spüre wie die Koryphäen der letzten Jahrhunderte noch immer eine große Bedeutung haben.

Neben der Melodien, die einen an einen leeren Strand in Schottland entführen, überzeugen auch die Texte von Tori Amos. Bereits in ihren letzten veröffentlichten Platten hat sie ernsthafte Themen angesprochen, doch nun geht sie noch tiefer und schreibt Sätze wie ‘Blut auf dem Teppich und ein Meer von Scherben’. Andeutend und Phantasieanregend erzählt sie eine Geschichte über einen Streit zwischen einem Paar und wie er ausartet. Sie singt ‘Das ist nicht mein Blut’ und ‘Das ist nicht das Glas, das ich geworfen habe’. Das Spiel der Streicher gibt wieder, wie sich Mann und Frau streiten und die Liebe sich in einen Wahnsinn wandelt.

Tori Amos, das ist eine Frau der Gegensätze. Von natürlich brav bis hin zur dominanten Frau. Sie hat schon alles durchprobiert und sogar einmal ein Ferkel mit ihrer Brust gesäugt.

Die Frage, was sie dazu bewegt hat so einen Text zu schreiben und ob sie noch mit ihrem Mann zusammen sei, beantwortet sie mit einem überlegten Lächeln. Doch sie ist mit ihm noch zusammen, trotzdem wäre auch bei ihr nicht alles und immer voller Sonnenschein erzählt sie später.

Sie, als Tochter eines Methodistenpredigers aus dem Norden von Carolina in den USA hat bereits mit fünf Jahren am Peabody-Konservatorium in Baltimore angefangen zu studieren. Später, als ihr ein Plattenvertrag angeboten wird, lehnt sie diesen ab, weil man aus ihr ein ‘lustiges Mädchen’ machen möchte. Und trotzdem, oder gerade deshalb kommt sie bei vielen Menschen gut an, die sonst vielleicht nicht diese Art der Musik hören.

Es gibt viel über die Musikerin zu erzählen und es wird ganz sicher noch viel erzählt werden, vorzugsweise macht sie es selber, mit ihrer Musik und den Texten.